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Albertchens Wunschzettel am lieben Weihnachtsmann (sic - tatsächlich so geschrieben) ist ein Wunschzettelgedicht aus Ostpreußen.

Geschichte Bearbeiten

Es wurde 1960 in Das Hausbuch des ostpreußischen Humors veröffentlicht[1], ist aber auch durch mündliche Überlieferung und leichte Veränderung des Inhalts als Fritzchens Wunschzettel an den Weihnachtsmann bekannt. Einige der Wünsche weisen bezüglich der Entstehung sehr deutlich auf eine Zeit im frühen 20. Jahrhundert hin, als Waffenwünsche zu Weihnachten bei Jungen üblich waren. Der Wunsch nach missratenem Kuchen und Bruchmarzipan weist ebenfalls auf diese Zeit hin. Leckereien wie Kuchen und Marzipan wurden von den Erwachsenen verzehrt. Für Kinder - besonders wenn es viele Kinder waren (und das war die Regel) - gab es dies nur ausnahmsweise, wenn es den Eltern doch zu viel war oder der Geschmack nicht den Erwartungen entsprach (so viel zum Thema gute alte Zeit ...). Geschrieben wurde es von Albert de Resée.

Der Text ist aus dem genannten Buch wörtlich zitiert. Die Schreibweise entspricht dem Text im Buch.

Text Bearbeiten

Lieber Weihnachtsmann! Mit Wünschen
komm ich dir auch dieses Jahr,
weil ich weiß, daß merscht mein Prachern
nich bei dir vergebens war.

Bringe mich eine Sittenmappe,
oder bring se, bitte, leer,
und auch einen Fohnegrafen,
einen Helm und Schießgewehr.

Laß dem Kuchen nich geraten,
wo zu Haus die Muttche bäckt,
und wo mir zwar immer prächtig,
aber nach zu wenig schmeckt.

Wenn er nämlich wird zu klietschig,
is die Eltern er zu schwer,
und denn kriegen wir gewöhnlich
mit das Mädchen desto mehr.

Marzepahn laß runter fallen
von dem Teller Stücker zehn
daß sie mir zur Weihnachtsfreude
gleich in lauter Kriemels gehn.

Solche Kriemels gibt die Muttche
denn uns Kindern nebenbei,
und du mußt bloß dafür sorgen,
daß es nich zu wenig sei.

Sonsten wünsch ich mir man wenig,
bin bescheiden, wie du weißt;
sag' mir bloß noch, wie das Frauche,
wo dem Fritz gebracht hat, heißt.

Kallweits Katz bring mit dem Zagel
so geliebter Weihnachtsmann -
zwischen unsere Hausentüre,
daß ich ihm beklemmen kann.

Denn er hat mir oft geärgert,
wenn ich tat ihm Schabernack,
daß ich ihm jetzt rein zum Possen
nur noch lieber zergen mag.

Neulich, als ich ihm belapsde
bei die Milch und ihm verhaut,
machd er "Pchchch" und hat mit eins mich
in die Nase reingeklaut.

Kuhnke's Fritz laß Masern kriegen
wenigstens auf eine Woch -
denn denn krie zum Schlittche fahren
ich sein schöne Schlittche doch.

Und noch eins: dem Stock vom Lehrer
darum bitt ich dich zum Schluß
schmier mit Zwiebeln ein ganz dichtig,
daß er auf mir platzen muß.

Hast du alles die bedeichselt,
und bist wieder weggehuscht,
lieber Weihnachtsmann, denn Dank schön -
und - denn will ich weiter nuscht!

Worterklärungen Bearbeiten

(alphabetisch)

Fohnegraf = Phonograf, Vorläufer des Plattenspielers

klauen: mit der Tatze zuschlagen

klietschig = schlecht aufgegangener Hefekuchen

Laps = frecher Bengel

prachern = betteln

Zagel = Schwanz

zergen = streiten

Einzelnachweise und Fußnoten Bearbeiten

  1. Das Hausbuch des ostpreußischen Humors, Gräfe und Unzer Verlag, München, S. 165f
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